Glückwunsch – SSV Kronau wird Deutscher Vizemeister

In der Finalrunde der besten acht deutschen Luftgewehrteams in Rotenburg an der Fulda unterlag der SSV Kronau nur der SSG Kevelaer.

Siegerehrung durch den Präsidenten
2. SSV Kronau und 3. Der Bund München

Der Weg ins Finale

Das Viertelfinale Sankt Hubertus Elsen vs. SSV Kronau 2:3

Wie schon im Vorbericht erwähnt unterlag der SSV Kronau im Vorjahr Elsen (Stadtteil von Paderborn) nur knapp im Stechen. Der SSV Kronau schied aus und Elsen wurde Deutscher Meister. Der Titelverteidiger, der eine starke Saison in der Bundesliga Nord geschossen hat, ging auch in diesem Jahr gegen den Süd-Dritten aus Kronau als Favorit in das Viertelfinale. Beide Mannschaften traten in Bestbesetzung an. Zum Wettkampfstart war der SSV Kronau etwas zielsicherer. Gavin Barnick und Larissa Wegner begannen sehr zügig und eröffneten ihre Matches mit sieben bzw. acht Zehnern. Ihr Gegenüber aus Elsen hatten hier bereits im dritten bzw. ersten Schuss je eine Neun geschossen. Auch Nele Stark begann mit perfekten 100 Ringen. Nachdem Annabelle Lotter, die wie immer sehr schnell unterwegs war, nach 97 Ringen eine 100er Serie schoss, zeigte die Hochrechnung der Anzeigentafel Kronau mit 3:1 in Führung. Auf Position eins zwischen dem jungen US-Amerikaner Gavin Barnick, welcher für Kronau an den Start ging und dem ungarischen Olympioniken des
Teams Elsen, Istvan Peni, stand es unentschieden. Auf der fünften Position war Lana Wurster gegen Peter Hellenbrand nur mit einem Ring im Rückstand. In der Endphase drohte Kronau ihren geringen Vorsprung zu verspielen. Nach einer Neun von Kronaus Annabelle Lotter übernahm Elsen mit 3:2 die Führung. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich bereits die Niederlage von Lana Wurster gegen Peter Hellenbrand ab. Auch Annabelle Lotter verpasste es, den Sack zuzumachen. Sie schoss mit 97 Ringen gegenüber 100 Ringen von Denise Palberg aus und verlor ihren Punkt in der Endphase. Unter großem Jubel machte Larissa Wegner mit perfekten 400 Ringen ihren Einzelpunkt für Kronau fest. Die Anspannung wuchs und die Anfeuerung der über 1000 Zuschauer mit Rasseln, Klatschpappen, Tröten und Trommeln wurde immer lauter. Gavin Barnick und Nele Stark, auf denen die Hoffnungen der Kronauer lagen, mussten bei diesem Lärm die Ruhe behalten. Gavin Barnick musste die letzten sechs und Nele Stark die letzten drei Schüsse in die Zehn setzen. Beide behielten die Nerven und erzwangen in ihren Begegnungen jeweils ein Stechen. Die Anzeigentafel zeigte nach den 400 Wettkampfschüssen, in denen nur 32 Neuner geschossen wurden, ein 2:1 für St. Hubertus Elsen. Gewonnen hat jedoch nur die Mannschaft die mindestens drei Einzelpunkte erreicht hat. Somit mussten zwei Stechen über Weiterkommen und Ausscheiden entscheiden. Beim Stechen haben die Kontrahenten/innen zwei Minuten Vorbereitungszeit und für die Stechschüsse auf Kommando je 45 Sekunden Schießzeit. Zunächst traten auf Linnea Scherr für Elsen und Nele Stark für Kronau zum Stechen auf Position vier an. Auf der Tribüne wurde nach dem Startsignal die Anfeuerung der Fans immer lauter und die Schützinnen waren gefordert, bei diesem Lärmpegel und der Begleitmelodie „Spiel mir das Lied vom Tod“ die Ruhe zu bewahren. Nele Stark musste für Kronau das Stechen gewinnen, da sonst bei einem 3:1 die Heimreise drohte. Im ersten Stechschuss schossen beide je eine Neun. Mit dem zweiten Stechschuss erkämpfte Nele Stark mit einer Zehn gegenüber einer 9 von Linnea Scherr den von den Kronauer Fans umjubelten Ausgleich zum 2:2. Jetzt lag die Aufmerksamkeit auf dem alles entscheidenden Stechen auf Position eins. Wer würde den  dritten Einzelpunkt für sein Team machen. Hier schien der Vorteil auf Seiten des erfahrenen Schützen Istvan Peni zu liegen, hatte er doch an gleicher Stelle vor einem Jahr das Match gegen Larissa Wegner für Elsen entschieden. Für den jungen Gavin Barnick war es das erste Stechen vor einer solchen großen und lautstarken Kulisse. Die Anfeuerungen der Fans von Elsen wurden immer lauter. Beiden Kontrahenten war nach außen nichts anzumerken, beide waren in sich gekehrt und konzentriert. Den ersten Stechschuss gab Istvan Peni ab, die Zehn wurde von den Fans aus Elsen lautstark bejubelt. Gavin Barnick ließ sich jedoch vom Getöse nicht aus der Ruhe bringen und setzte ebenfalls eine Zehn. Beim zweiten und auch beim dritten Stechschuss auf volle Ringe hatten beide eine gute Zehn. Jetzt wurde die Trefferanzeigen auf Zehntelringe umgestellt. Beim vierten Stechschuss ging der Kronauer etwas schneller in den Anschlag und gab seinen Schuss deshalb auch etwas früher ab, eine sehr gute 10,6! Die darauffolgende 10,4 von Istvan Peni reichte nicht aus und Kronau entschied das Viertelfinale mit 3:2 für sich. Die Mannschaft und alle mitgereisten Kronauer Fans feierten diesen Sieg. Welch eine Parallele zum vergangenen Jahr wo ebenfalls zwei zehntel Ringe (0,1 Millimeter) über Sieg und Niederlage entschieden. Für alle die sich nicht so sehr mit Schießsport auskennen: Die Zehn hat einen Durchmesser von 0,5 Millimetern. Das Ziel ist in 10 Meter Entfernung. Ein Zehntel Ring entspricht einer Abweichung zur absoluten Mitte von 0,05 Millimeter.

                                          Ringe     Punkte   Ringe
St. Hubertus Elsen                          2:3                                         SSV Kronau
1 Peni, Istvan     10.4        399        0:1         399        10.6        Barnick, Gavin Raymond Leigh
2 Ruppel, Lea                     394        0:1         400                        Wegner, Larissa
3 Palberg, Denise              397        1:0         394                        Lotter, Annabelle
4 Schnerr, Linnea 9           397        0:1         397        10           Stark, Nele
5 Hellenbrand, Peter         398        1:0         393                        Wurster, Lana

Blick auf die Zuschauertribüne
Das Team im Wettkampf
Bundesligateam SSV Kronau
Das Team steht beim Stechschuss zusammen

Halbfinale

SSV Kronau vs. Der Bund München 3:2

Der Bund München galt als ungeschlagener Südmeister und Rekordhalter als Top-Favorit für die Deutsche Meisterschaft. Nachdem sie bereits im Viertelfinale mit 1990 Ringen ein neuer Rekord für die Finalrunde aufgestellt hatten, war der SSV Kronau nur Außenseiter. In der Kronauer Mannschaft gab es gegenüber dem Viertelfinale einen Wechsel. Max Braun rückte für Lana Wurster auf Position fünf in die Mannschaft. Beide Mannschaften begannen stark. Kronau hatte schnell auf den ersten drei Positionen jeweils 100 Ringe zu verzeichnen, jedoch hielt München mit vier Hunderter-Serien dagegen. Die erste richtungsweisende Hochrechnung zeigte ein 2:1 für München. Dabei war schon eine leichte Tendenz zu erkennen. Auf den Positionen eins uns zwei schien sich ein Patt anzudeuten, Annabelle Lotter, die mit perfekten 22 Zehnern loslegte hatte ihre Partie im Griff und auf den Positionen vier und fünf waren die Münchner Schützinnen im Vorteil. Nach einer Neun von Larissa Wegner im 17. Schuss wechselte die Führung der Münchener auf 3:1. Nach zwei Neunern von Annabelle Lotter mit den Schüssen 29 und 32 zeigte die Hochrechnung ein 3:0 für München. Diese Situation entspannte sich erst wieder als der italienische Olympiaschütze vom Bund München, Danilo Sollazzo, mit dem 28. Schuss und Daniel Bühlmeyer mit dem 21. Schuss je eine Neun schossen. Danach stand es 1:0 für München. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch schon zu sehen, dass Max Braun seine Begegnung nicht gewinnen würde, da er schon vier Ringe im Rückstand war. Zum Ende des Wettkampfes wechselte die Hochrechnung mehrfach von 4:1 auf sogar 4:O für München. Der genaue Betrachter sah jedoch, dass Gavin Barnick mit 34 Schüssen immer noch fehlerfrei war und Maximillian Ulbrich mit 30 Zehnern als Führender, wohl weil er die besseren 10er erzielt hatte, gelistet wurde. Larissa Wegner verlor ihre Führung mit einer 9,9 im 39. Schuss. Einen funken Hoffnung kam bei den Kronauer Fans auf, als Daniel und Hanna Bühlmeyer mit dem 38. bzw. 39. Schuss jeweils einen Neuner schossen. Jetzt stand es nur noch 2:0 für München und das vorzeitige Aus für Kronau war abgewendet, zumal auch Nele Stark noch die Möglichkeit hatte, gegen Daniel Bühlmeyer gleichzuziehen, was ihr am Ende leider nicht gelang. So kam es nicht zu möglichen vier Stechen und es stand 2:0 für München. Nun kam es zu drei Stechen, die über den Einzug ins Finale entschieden. Eine solche Situation gab es im Finalturnier bisher noch nie. München war jetzt in der komfortablen Situation, nur eins der drei Stechen gewinnen zu müssen. Doch es begann ein Drama in drei Akten. Im ersten Stechen setzte sich Anabelle Lotter im ersten Schuss 10:9 gegen Hanna Bühlmeyer durch. Damit gingen Sollazzo gegen Wegner in das nächste Stechen und dies war an Drama nicht zu überbieten. Die ersten drei Stechschüsse gingen alle in die Zehn. Jetzt musste der vierte Stechschuss auf Zehntelwertung entscheiden. Doch das Drama ging weiter, Sollazo legte eine 10,7 vor, doch Larissa Wegner zog mit ebenfalls einer 10,7 gleich. Somit ging es in den fünften Stechschuss, was es so in einem Finale ebenfalls noch nicht gab. Diesen verwandelte Larissa Wegner unter dem Jubel der Kronauer Fans mit 10,6 zum Ausgleich. Ein finales Stechen zwischen Gavin Barnick und Maximillian Ulbrich musste jetzt die Entscheidung bringen. Wie selbstverständlich setzten beide Topschützen ihre ersten drei Schüsse in die Zehn. Somit musste der vierte Stechschuss auf Zehntelwertung über den Einzug ins Goldfinale entscheiden. Auch bei diesem Stechschuss war Gavin Barnick etwas schneller und legte eine 10,5 vor, Maximillian Ulbrich unterlag mit einer 10,2. Jetzt war nur noch ausgelassene Freude bei den Kronauer Schützen und Fans. Der Bund München hätte auf Grund seiner diesjährigen Leistungen ohne Zweifel den Einzug ins Finale verdient gehabt, doch so ist Sport. Die Homepage des DSB titulierte die Kronauer als „Stechkönige“.  Der SSV Kronau verwandelte auf dem Weg ins Finale 17 Stechschüsse erfolgreich und zog sensationell verdient ins Goldfinale ein.

                                         Ringe    Punkte    Ringe
SSV Kronau                                    3:2                                     Der Bund München
1 Barnick, Gavin 10.5     400        1:0         400        10.2      Ulbrich, Maximilian
2 Wegner, Larissa 10.6  398        1:0         398        10.2      Sollazzo, Danilo Dennis
3 Lotter, Annabelle 10    397        1:0         397        9           Bühlmeyer, Hanna
4 Stark, Nele                      395       0:1        397                      Bühlmeyer, Daniel
5 Braun, Max                     392       0:1        398                      Bauer, Magdalena

Gavin Barnick immer zum Spaß aufgelegt
Entscheidendes Stechen Peni vs. Gavin Barnick
Nele Stark
Larissa Wegner im Kampf gegen Danelo Sollazzo
Annabelle Lotter
Max Braun beim Training
Lana Wurster
Max Braun im Anschlag

Finale um die Deutsche Meisterschaft

SSV Kronau vs. SSG Kevelaer 0:3

Bisher gab es zwischen dem SSV Kronau und der SSG Kevelaer nur ein Aufeinandertreffen. Beim Viertelfinale 2024 gewann der SSV Kronau, wie könnte es anders sein, im Stechen und warf den damaligen amtierenden Deutschen Meister aus dem Titelrennen. Doch der viermalige Champion aus Kevelaer war als Nordmeister Favorit und vor dem fünfmaligen „Stechsieger“ gewarnt. Beide Teams begannen sehr treffsicher, und die erste Neun fiel erst im 47. Schuss beider Teams! Ausgerechnet Gavin Barnick schoss die erste 9,9 für Kronau. Darauf folgten weitere Neuner und Kevelaer behielt außer Franka Jannsen seine weiße Weste. Nach der ersten wegweisenden Hochrechnung stand es dann, wenn auch knapp, 5:0 für Kevelaer. Doch die Situation für Kronau war nicht aussichtslos, denn auf mehreren Positionen war noch ein Sieg oder Stechen möglich. Insbesondere Larissa Wegner mit 399 Ringen sowie Nele Stark, die 200 Ringe ausschoss, hielten dagegen. Auch bei Lana Wurster, die in der dritten Serie mit 100 Ringen nochmals Hoffnung aufkommen ließ, gab es noch die Möglichkeit auf ein Stechen. Dies wäre natürlich der Wahnsinn gewesen, wenn sie den Ausgleich geschafft hätte, Kevelaer nicht die notwendigen drei Punkte erreicht hätte und es nochmals zu drei Stechen gekommen wäre. Ein Szenario das Max Braun bei einem Interview heraufbeschworen hatte. Am Ende stand ein versöhnliches, jedoch klares 3:0 für Kevelaer. Somit kam es nicht zum zweiten „Stechdrama“. Gavin Barnick konnte durch die zwei Neuner in der ersten Serie die derzeit beste deutsche Schützin nicht unter Druck setzen und verlor. Annabell Lotter war zwar sehr schnell unterwegs, was ihre Sicherheit unterstrich, verlor jedoch insbesondere in der zweiten Serie zu viele Ringe.

Die Stimmung und Atmosphäre in der Halle hatte alle Teilnehmer/innen begeistert. Die Vizemeisterschaft ist die erste Medaille bei einem Bundesligafinale. In der Vorbereitung hat die Mannschaft diese Medaille zum 100jährigen Jubiläum des SSV Kronau angestrebt.

                                          Ringe     Punkte   Ringe
SSV Kronau                                      0:3                                      SSG Kevelaer
1 Barnick, Gavin                397        0:1          400                      Janßen, Anna
2.Wegner, Larissa             399        0:0          399                      Paul, Ayonika
3 Lotter, Annabelle           393        0:1          400                      Rentmeister, Finnja
4 Stark, Nele                      396        0:0          396                      Driessen, Franziska
5 Wurster, Lana                 391        0:1          394                     Janßen, Franka

Deutscher Vizemeister SSV Kronau
2. SSV Kronau und 3. Der Bund München

Bericht: Kurt Hillenbrand

Nach oben scrollen